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Die IVCG

 
Ausgabe 08/09 

Freude

Ich war schockiert, als ich die Hintergründe entdeckte. Freude – Freude? Da gibt es doch ein Gedicht von Schiller, das Beethoven als Basis für den letzten Satz seiner neunten Symphonie diente: »Freude, schöner Götterfunken!« Bei der Suche nach dem Text stieß ich auf die Tatsache, dass das Gedicht ein Auftragswerk war, geschaffen für die Tafel der Freimaurerloge »Zu den drei Schwertern« in Dresden. Da ist es denn schon fast logisch, dass der Freimaurer und Begründer der Paneuropa-Bewegung Richard Nikolaus Graf von Coudenhove-Kalergi 1955 Beethovens Vertonung als neue Europäische Hymne vorschlug. Seit 1972 ist die Melodie offizielle Hymne des Europarats, seit 1985 auch offizielle Hymne der Europäischen Union.

Im zugrunde liegenden Gedicht ist die Freude das anbetungswürdige göttliche Prinzip; unter dem Einfluss dieser Freude schließen sich die Menschen (Brüder) in die Arme, nachdem sie feuertrunken das Heiligtum der Freude betreten haben. Bei Schiller gibt es zwar einen ziemlich distanzierten »lieben Vater« als Kulisse; aber er fehlt bei Beethoven vollständig. Und gleichwohl ist auch bei Schiller klar: Nicht der Gott der Bibel wird angebetet, sondern die Freude als schöner Götterfunke. Je länger ich darüber nachdenke, desto fader, fragwürdiger wird mir die Hymne.

 

Freude ist ein Thema, das sich durch die ganze Bibel zieht. Aber nicht die Freude wird angebetet; die in der Bibel geschilderte Freude ist nie losgelöst von Gott. Der Engel ruft den Hirten in der Weihnachtsnacht zu: »Fürchtet euch nicht! Siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird; denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr, in der Stadt Davids.«1 Paulus fordert seine Freunde in der Hafenstadt Philippi auf: »Freut euch Tag für Tag, dass ihr zum Herrn gehört. Und noch einmal will ich es sagen:



Freut euch! Alle Menschen sollen eure Güte und Freundlichkeit erfahren. Der Herr kommt bald! Macht euch keine Sorgen! Ihr dürft Gott um alles bitten. Sagt ihm, was euch fehlt, und dankt ihm! Und Gottes Friede, der all unser Verstehen übersteigt, wird eure Herzen und Gedanken im Glauben an Jesus Christus bewahren.«2 Damit erweist sich die Bibel einmal mehr als ein äußerst realistisches Buch: Das Leben der Menschen ist eben nicht »Friede, Freude, Eierkuchen«, wie wir dies gerne hätten. Menschen leben in Angst, Schwierigkeiten und in Nöten. Aber auch und gerade in widrigsten Umständen gibt es Grund für eine tiefe Freude, gibt es einen Angelpunkt, der außerhalb unseres Selbst ist. Darum kann uns auch ein Friede erreichen, der jenseits aller Vernunft liegt.


Dass dies keine anmaßenden Behauptungen sind, ist die Erfahrung vieler Menschen, hier und jetzt. Und: Es kann auch Ihre persönliche Erfahrung werden. Die Anlässe der IVCG sind darauf ausgerichtet, dass Menschen unserer Zeit zu der Quelle der Freude finden. In Vortragsveranstaltungen, in lockeren Gesprächsrunden und Seminaren wird immer wieder darauf hingewiesen, nicht von weltfremden, schwärmerischen Menschen, sondern von Frauen und Männern, die sich im beruflichen Alltag bewähren müssen. Sie sind bereit, Ihnen bei der Suche und beim Finden zur Seite zu stehen. Mehr zur IVCG und ihren Angeboten finden Sie auf unserer Webseite oder in der nächsten Ausgabe dieser Zeitschrift.


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1 Lukas, Kapitel 2, Sätze 10 und 11
2 Philipper, Kapitel 4, Satz 4

Der Autor

Christoph Wyss

Christoph Wyss

CH-Bern

Fürsprecher/Rechtsanwalt, Präsident der IVCG

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