IVCG-HOMEKONTAKTELINKS
Kopfbild
Themen

Termine












Die IVCG

 
Ausgabe 06/10 

Er wartet

Soviel ich weiß, können sich einzig Menschen Gedanken über die Zukunft machen. Natürlich: der vertraute Hund wedelt mit dem Schwanz, sobald er sieht, dass sich sein Herrchen für den Spaziergang bereit macht. Aber kann er (wenn wir die Grenzen ganz weit ziehen) über Generationengrenzen hinweg denken?

Es gehört zum Erfahrungsschatz der Kinder, Ereignisse ganz besonders freudig zu erwarten. Noch drei, zwei, eine Woche bis Weihnachten! Am Weihnachtsabend gab es bei uns zu­hause ein kleines Ritual: Die Kinder hatten in einem Zimmer zu warten. Der Vater zündete alle Kerzen an. Wir Kinder lauschten, bis wir den feinen Glockenklang hörten, dann wurde das Licht auch im Zimmer gelöscht und wir durften in die von Kerzenschein erhellte ‘gute Stube’ treten. Die Sehn­süchte sind ans Ziel gekommen.

Advent heißt in deutscher Sprache Erscheinung, Kommen. Für Christen ist es klar: Er – Jesus – kommt, als Licht mitten in die Dunkelheit. Es ist darum nicht zufällig, dass dieses Datum – seit dem 4. Jahrhundert belegt – so nahe am kürzesten Tag, an der Winterson­nenwende, liegt.

Was die Zeitform betrifft (er kam, er kommt, er wird kommen), ist die Sache allerdings nicht so einfach. Wir feiern zu Weihnachten nicht, dass Jesus kommen wird, sondern dass er gekommen ist. Und doch hat die Weih­nacht sehr viel mit Gegenwart und Zukunft zu tun. Gott tritt Mose, einer der prägenden Gestalten des Alten Testaments, in der Wüste entgegen. Er spricht mit ihm aus einem bren­nenden, aber nicht verbrennenden Dornbusch. Am Ende des Gesprächs fragt Mose Gott: Die anderen Men­schen werden mich fragen: »Wie heißt der Gott, dem du begegnet bist?« Gott antwortet: »Ich bin der ‘Ich-bin-da’.«1 Präziser wäre die folgende Überset­zung ‘Ich-bin-der-Ich-bin-da’. Und Martin Buber, ein jüdischer Religions­philosoph und großartiger Übersetzer, spricht von Gott als dem ‘Ich-bin-wo-du-bist’.

Was mich fasziniert, ist das Zusam­menfallen von Vergangenheit, Gegen­wart und Zukunft. Gott wird – wenn wir es denn zulassen – bei uns sein, gestern, heute und morgen. Ohne Ein­schränkung – wenn wir ihn dazu ein­laden. Die Einladung von seiner Seite, unser steter Begleiter, unser ‘Ich-bin-wo-du-bist’ zu werden, gilt. Man kann deshalb Advent auch ganz anders deuten, als wir dies gewohnt sind. Statt ‘Er kommt’ kann es heißen: ‘Er wartet.’ Und Sie und ich? Wir gehören dann zu den ‘Er-Warteten’.

Wir können schildern, was es be­deutet, mit dem ‘Ich-bin-wo-du-bist’ unterwegs zu sein. Aber es bleiben Schilderungen aus zweiter Hand. Nein, dies ist eine Sache, die ich selber, höchstpersönlich, angehen muss. Ich kann weder Stellvertreter noch Ersatz­leute delegieren. Gott will mit mir wie auch mit Ihnen, persönlich unterwegs sein. Die IVCG kann im besten Fall Wegweiser und Wegbegleiter sein. Das ist sie gerne! Diese Zeitschrift, Veran­staltungen in vielfältiger Form, spezi­elle ImPuls-Tage oder ImPuls-Wochen­enden: Alles ist auf dieses Ziel ausge­richtet.

Wenn Sie mehr wissen wollen: Nehmen Sie mit uns Kontakt auf. Sie finden uns unter www.ivcg.org.

_______________

1 2. Mose (Exodus), Kapitel 3, Satz 14; Einheitsüber­setzung

Der Autor

Christoph Wyss

Christoph Wyss

CH-Bern

Fürsprecher/Rechtsanwalt, Präsident der IVCG

Download

201006_wyss_c.pdf

420 K

SERVICE


ABOfacebook

ARCHIV



__Zeitschrift 'reflexionen'

Leseproben

 > Brennpunkt

  • __Hintergrund

    __Monday Manna

    __IVCG-Podcast