

1999 wurde bei mir eine Schilddrüsenüberfunktion diagnostiziert. Eine Zeit später kam eine beidseitige Stirnhöhlenvereiterung hinzu mit Fiebertemperaturen von 39 40 Grad. Dennoch ging ich arbeiten, denn Fieber war kein Grund, zu Hause zu bleiben; die Kollegen im Krankenhaus hätten dann ja meine Arbeit übernehmen müssen. Über Monate hielt die Krankheit an. Ständig schluckte ich Antibiotika. Am Ende blieb ich wechselweise eine Woche krank im Bett, die nächste ging ich wieder arbeiten.
Als ich eines Tages zur Arbeit kam, erfuhr ich, dass ein vertrauter Kollege mit 34 Jahren an Meningitis (Hirnhautentzündung) gestorben war. So wie ich hatte er lange an Stirnhöhlenvereiterung gelitten. Diese Krankheit war bei meinem Kollegen auf die Hirnhäute übergegangen. Meine HNO-Ärztin stellte nun fest, dass meine Erkrankung mit Medikamenten nicht mehr zu stoppen war. Ich sollte mich einer Operation unterziehen, bei der der Gesichtsschädel geöffnet wird, damit der ganze Eiter abfließen kann. Ich hatte diese Operation bereits selbst durchgeführt und war nicht besonders scharf darauf, dies über mich ergehen zu lassen.
Da unterbreitete mir eine Bekannte einen ungewöhnlichen Vorschlag. Ich solle nach Kiel fahren. Dort würde ein besonderer Gottesdienst stattfinden, in dem für Kranke gebetet wird und viele geheilt würden. Mir ging es miserabel, also fuhr ich mit Anne, meiner heutigen Frau, hin. Von der Predigt bekam ich nicht viel mit. Sie interessierte mich nicht wirklich. Jedenfalls sollten die Sitznachbarn denen die Hand auf die Schulter legen, die Heilung brauchten, während vorne gebetet wurde. Obwohl ich in diesem Moment keine Änderung feststellen konnte, war ich am nächsten Morgen überwältigt. Alle Anzeichen einer Stirnhöhlenvereiterung waren verschwunden; ich war komplett geheilt! »Wenn das mit dem Beten so toll funktioniert, dann möchte ich auch meine Neurodermitis loswerden«, so forderte ich Anne auf, erneut mit mir nach Kiel zu fahren.
Wir kamen etwas zu spät. Der Saal war überfüllt, sodass wir vor der Tür stehen bleiben mussten. Von der Predigt bekamen wir nichts mit. Irgendwann sah ich im Hintergrund eine Handbewegung und hörte dazu ‘seid geheilt’ und Schluss. Am nächsten Morgen stellte ich im Bad fest, dass die Neurodermitis verschwunden war.
Auch diesmal hatten mich der Gottesdienst und die Predigt nicht interessiert. Doch nun wollte ich auch Heilung für meine Schilddrüsenüberfunktion haben. Wild entschlossen fuhr ich ein drittes Mal nach Kiel. Dieses Mal wollte ich früher dort sein, um von dem Prediger für mich beten zu lassen. So könnte dieser nach dem Gebet in Ruhe seinen Gottesdienst durchführen und ich nach Hause fahren. Als ich ihn direkt darauf ansprechen konnte und um Gebet bat, umarmte er mich und lachte fröhlich. Er erklärte mir, dass es nicht so funktioniert, wie ich es mir vorstellte. Außerdem schlug er vor, ich sollte als Erstes mit dem Rauchen aufhören. Leicht verstört setzte ich mich hin und fuhr nach der Predigt heim. Die Schilddrüse wurde an diesem Abend nicht geheilt.
Da stand ich nun. Zwei Drittel meiner Krankheiten waren geheilt, ein Drittel nicht. Ich verstand es nicht. Der Prediger hatte vorgeschlagen, mich zunächst testweise Gott für drei Monate anzuvertrauen, regelmäßig einen Gottesdienst zu besuchen, in der Bibel zu lesen und zu beten. Auf diese Weise könne man herausfinden, ob es Gott gibt. Diese Chance wollten Anne und ich Gott einräumen. Während des Studiums der Bibel waren die geplanten drei Monate beinahe vergangen. Doch hatten die ständigen Wochenenddienste im Krankenhaus verhindert, dass wir regelmäßig hätten zum Gottesdienst gehen können. Was ich in der Bibel gelesen hatte, erschien mir so spannend und erstrebenswert, dass es mir wert war, meine Stellung und Karriere im Krankenhaus aufzugeben und mich als Arzt außerhalb des Krankenhauses niederzulassen, was mit etlichen Nachteilen verbunden war. Ein bisschen Testen reichte mir nicht. Ich wollte mit Bestimmtheit sagen können, es gibt Gott oder es gibt ihn nicht.
Ein Kollege wollte in den Ruhestand gehen und suchte für seine DiabetesSchwerpunktpraxis mit hausärztlichen und internistischen Diensten einen Nachfolger. So begann ich meine neue Arbeit. Während meiner Gespräche mit Patienten musste ich über eine Bibelstelle nachdenken, in der es heißt, dass man als Kranker die Ältesten und Diakone rufen sollte, damit diese für einen beten. Zunächst fragte ich meine Patienten sehr zögernd und zaghaft, ob ich für sie beten dürfte. Viele Patienten stimmten zu, und es geschah Erstaunliches. Oft betete ich bei übergewichtigen Diabetes Typ 2Patienten: »Herr, hilf ihnen bitte, dass sie nicht mehr so viel essen müssen und auch abnehmen.« Ganz einfache Gebete. In kurzer Zeit und ohne JoJoEffekt begannen diese Patienten abzunehmen. Manche können inzwischen sogar vollständig auf Insulin verzichten. Eine Patientin, deren Bauchspeicheldrüse hatte entfernt werden müssen, brauchte erstaunlicherweise vorübergehend für drei Monate überhaupt kein Insulin und musste danach noch 10 Prozent ihres vorherigen Tagesbedarfs spritzen.
Diese Erlebnisse ermutigten mich, immer öfter Gebet anzubieten. Ich gebe auch Bibeln ab, und oft entscheiden sich Menschen in der Praxis, ihr Leben Jesus Christus anzuvertrauen. Körperliche Heilung ist nichts Magisches oder Mystisches. Gott schuf den menschlichen Körper und ist auch in der Lage, diesen zu heilen. Wichtiger als jede körperliche Heilung ist aber der stellvertretende Tod, den Jesus am Kreuz erlitt. Dort starb er, um unsere Schuld zu vergeben und unsere verloren gegangene Beziehung zu Gott wiederherzustellen. Am dritten Tag hat Gott Jesus von den Toten auferweckt, und er lebt heute. Überall auf der Welt erleben Menschen seine Realität. Durch die Erfahrung der Gegenwart Gottes spüren Menschen eine ungeahnte Freiheit, tiefen Frieden und echten Sinn für ihr Leben.
Ich bin überzeugt, so wie Jesus vor 2000 Jahren Menschen geheilt hat, wirkt er auch noch heute. Er benutzt dazu Menschen, die entschieden sind, mit Jesus Christus zu leben. Man braucht dazu kein Medizin oder Theologiestudium, sondern nur etwas Mut. Mut, den entscheidenden Schritt auf Jesus zuzugehen.