IVCG-HOMEKONTAKTELINKS
Kopfbild
Themen

Termine












Die IVCG

 
Ausgabe 11/01 

Versöhnung - ein Weg zur Konfliktlösung

 

Wer kennt sie nicht – die Konflikte in der Familie und im Beruf?! Der erste für mich gravierende Konflikt geschah in meiner frühen Kindheit: Ein Spielkamerad hatte die Fensterscheibe meines Kinderzimmers mit einem Stein eingeworfen und anschließend überall verkündet, ich sei es gewesen. So wurde ich von meinen Eltern zum Verhör zitiert und blieb – natürlich zu Recht – hartnäckig: «Ich war es nicht!» Aber da ich kurz zuvor auch eine Scheibe eingeworfen hatte, half alles Leugnen nichts. Obendrein bekam ich noch Prügel dafür, dass ich die «Untat» nicht zugeben wollte.

Damals entstand für mich eine typische Konfliktsituation, an der ich lange zu kauen hatte und die das Verhältnis sowohl zu meinem Spielkameraden als auch zu meinen Eltern nachhaltig trübte. Konflikte werden meist – wie dieser – von außen in unser Leben hineingetragen.

Nach meiner Erfahrung gibt es drei verschiedene Konfliktsituationen im Leben: der Konflikt mit anderen Menschen, der Konflikt mit mir selbst und der Konflikt mit Gott.

Der Konflikt mit anderen Menschen


Diese Konflikte kommen oft unerwartet, gelegentlich wie ein Blitz aus heiterem Himmel. Sie können einen geradezu umwerfen, aus der Fassung bringen. so wie mir das als Kind erging: Ich wurde von einer Welle von Aggressionen gegenüber dem Verleumder und den ungerecht handelnden Eltern überrollt. Als dies langsam abebbte, blieb eine tiefsitzende Bitterkeit, aber auch eine ordentliche Portion Selbstmitleid zurück.

Bei Erwachsenen kann eine solche Konfliktsituation zwar etwas beherrschter und dennoch mit ähnlicher Wirkung ablaufen. Ein zunächst kleiner Ärger wird gesteigert zur Wut, bis es schließlich zum Überkochen des aufgestauten Zorns kommt. Die Wirkung ist ähnlich der eines überkochenden Milchtopfs. Da hört man zuerst ein Zischen. Ausrufe wie: «Jetzt reicht’s mir aber! Mir stinkt’s schon lange! Scheiß-Familie! Ich haue ab!» führen dazu, dass es tatsächlich stinkt wie bei übergekochter Milch.

Familien werden heute mehr denn je durch solche Konflikte zerrissen. Aber gerade hier kann sich der Einzelne einer solchen Gemeinschaft nicht ganz entziehen, weil auch durch heftigste Konflikte die Familienzugehörigkeit niemals völlig ausgelöscht werden kann.

Anders ist die Situation in den Betrieben. In größeren Betrieben hat man gewisse Regelungen vorgesehen, die Konflikte zwischen Mitarbeitern vorbeugen. Der Erfolg ist jedoch oft nur vordergründig gegeben. Wie leicht schwelen die persönlichen Beziehungsprobleme noch lange nach und versauern das Betriebsklima. Die Betroffenen fühlen das wie eine Krankheit und bemühen sich um Heilung. Die einen versuchen es mit entsprechenden «Einreibungen» beziehungsweise Einreden: «Take it easy!», sagt der eine. «Ich bin ja nicht schuld», sagt der andere und der dritte setzt sich die «James Bond»-Maske auf – er steht eben über dieser miesen Sache.

Gerade im politischen Bereich und in entsprechenden Führungspositionen ist ein solches Maskenspiel sehr beliebt. Hat man sich eben noch im Parlament beschimpft, so drückt man sich auf der Pressekonferenz in edler Friedenspose wieder die Hand.

Das kann lange Zeit ganz gut funktionieren und ist doch mühsam. Die Angst, irgendwie aus der einstudierten Rolle zu fallen, begleitet einen. Vor allem schafft man dadurch keinen Frieden, sondern gegenseitiges Misstrauen.

Der Konflikt mit mir selbst


Was aber tun, wenn bekanntlich «Der Frömmste nicht in Frieden leben kann, wenn es dem bösen Nachbarn nicht gefällt »? Meine größten Probleme hatte ich mit Menschen, die meinten, immer Recht zu haben. Das Höchste, was sie zugestehen, ist ein «Ja, aber ...» Das klingt etwa so: «Nun ja, ich sehe ein, dass ich nicht in allem ganz korrekt gehandelt habe, a b e r ...» – mit diesem «Aber» drehen sie den Spieß um und machen damit deutlich, dass der Andere eigentlich der Schuldige ist.

Nach Auseinandersetzungen hilft es kaum weiter, zornerfüllt seines Weges zu gehen. Auch Resignation bringt nichts und schlägt letztlich auf einen selbst zurück. Das trifft besonders dann zu, wenn man wirklich Unrecht erleiden musste. Mit Rachegefühlen, die oftmals nach frustrierenden Erlebnissen anschwellen, blockiert man nicht nur seine Beziehung zu eben diesem Menschen, sondern verlagert den Konflikt nach innen und hat diesen möglicherweise mit sich selbst. Und im Selbstmitleid gerät der Mensch in einen seelischen «Schmollwinkel» und beginnt sich selbst zu isolieren.

Man grollt der ganzen Welt, in der einen niemand zu mögen scheint. Selbstmitleid zeigt sich oft bei ichschwachen Typen. Sie haben kein gesundes Selbstwertgefühl und eine entsprechend negative Selbstbewertung.

Heute bieten sich viele Möglichkeiten, den persönlichen Konflikten (mit sich selber) auszuweichen. Alkohol, Psychopharmaka, übermäßiges Fernsehen bis hin zu harten Drogen.

Ein letztgültiges Fundament


Immer mehr spricht man von der «Identitätskrise des modernen Menschen », die meist dadurch ausgelöst wird, dass die innere Einheit der Seele gestört ist. Der Mensch braucht ein letztgültiges Fundament als zentrale Instanz, an die er sich in Krisen und Konfliktsituationen halten kann. Die Frage ist nur: Wer oder was verhilft mir zu einem solchen Fundament, das bis ans Lebensende trägt?

Mir scheint, dass immer mehr Menschen mit einem «inneren Vakuum» leben, das im seelischen Bereich eine ähnliche Funktion hat wie im physikalischen: Es sucht nach einer Füllung. Ein luftleerer Raum kann nicht leer bleiben, es sei denn, man verhindert künstlich die Auffüllung. Für den seelischen Bereich gibt es ein großes Angebot an Ersatzfüllungen. Sie reichen von Ideologien über verschiedene Sekten bis zu New Age. Früher oder später erweisen sie sich aber als Utopien, Enttäuschungen oder als gefährliche Irrwege.

Die Bibel sagt zu diesem Problem: «Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern von jedem Wort, das aus dem Munde Gottes hervorgeht.»1

Der Konflikt mit Gott


Hier taucht die Frage auf: Ist das nicht ausschließlich ein Konflikt der religiösen Leute? Man dreht auch gerne den Spieß um und sagt: «Die Christen fliehen nur in den Glauben, weil sie mit der Welt nicht fertig werden.» Aber eines Tages – manchmal erst in der letzten und schwersten Krise, dem Sterben – kommen für jeden Menschen diese letzten Lebensfragen hoch: War das alles? Geht es womöglich nach dem Tod weiter?

Die Antwort kann nur eine klare Alternative aufzeigen, wie das der weithin von einem kritischen Vernunftdenken her geprägte Philosoph Karl Jaspers formulierte:

«Entweder ist Jesus Christus der größte Schwindler in der Weltgeschichte oder tatsächlich Gottes Sohn!» Auch hier wird der Konflikt eines denkenden Menschen (im Gegensatz zum Tier) mit der Frage nach Gott offenkundig.

Ich kann mich sehr wohl an eine Zeit in meinem Leben erinnern, da mir das bisschen angelernte religiöse Wissen und Verhalten nicht mehr als tragfähige Basis für Krisen und Konflikte des Lebens erschien. Es müsste mehr geben als das bloße «Ja und Amen sagen » in der Kirche, so sagte ich mir.

Mein Konflikt mit Gott lag sicher auch in dem falschen Gottesbild begründet, das ich seit der Kindheit mit mir herumtrug. Gott war ein gestrenger Vater im Himmel, der mir ordentlich auf die Finger klopfte, wenn ich ihm ungehorsam war. Dachte ich an diesen Gott, so hatte ich ein schlechtes Gewissen und redete mir gut zu: «Diesen vielen Geboten wirst du eh nicht entsprechen. Reg’ dich nicht auf!»

Bedürfnis nach Wahrheit


Ein junger Mann beschrieb mir einmal sein Gottesbild, das mich erschauern ließ: «Ich sehe immer wieder dieses riesige Auge Gottes in unserer Kirche, das mich überall hin verfolgt.» Nicht umsonst sagt uns die Bibel: «Du sollst dir kein Gottesbild machen.» Es würde immer schief hängen, denn Gott ist keine Figur oder Gestalt. Er steht weit über unserem Vorstellungsvermögen. Aber er hat uns seinen Sohn Jesus Christus gesandt. Von ihm und durch dieses Wort Gottes können wir erfahren, wer Gott wirklich ist. Solche Aussagen wecken bei vielen Zweifel. Auch Zweifel sind meist Konflikte mit sich selbst. Und sie sind nicht einfach so vom Tisch zu wischen. Schließlich haben wir alle ein inneres Bedürfnis nach Wahrheit mitbekommen.

Nun kann man sich, trotz aller Zweifel, auf ein Experiment einlassen und sagen: «Gott, wenn du lebst und wenn die Worte der Bibel wahr sind, dann müsste doch auch ich erfahren können, ob damit eine praktische Hilfe für mein Leben verbunden ist.»

Dazu ist es allerdings nötig, wirklich ernst zu machen mit dem göttlichen Anruf. Auch ich habe einmal mein Leben ohne Wenn und Aber dem unterstellt, den Gott zur Versöhnung in diese Welt gesandt und dafür hat sterben lassen: Jesus Christus. Das einfache, ehrliche Gebet genügt: «Herr Jesus Christus, leite du von nun an mein Leben!»

Richtungswechsel


Man muss es erlebt haben, wie aus einem solchen Richtungswechsel vom mehr oder weniger dicken «Ich» zu Gott hin ein tiefer Friede in die Seele einzieht. Wo zuerst noch Konflikte mit sich selbst, mit anderen oder mit Gott das Leben belasten, entsteht dann auch eine bisher für unvorstellbar gehaltene Bereitschaft zur Versöhnung.

Versöhnung


Versöhnung ist d i e Möglichkeit zur Lösung von Konflikten. Doch wie kann Versöhnung geschehen?

Auf diese Frage finden wir manche Antwort in der Bibel. Die Verknüpfung der Versöhnung mit Gott und mit dem Nächsten wird besonders in dem Satz deutlich: «Wenn jemand spricht: Ich liebe Gott und hasst doch seinen Bruder, der ist ein Lügner.»2

Jesus zeigt sich in der Bergpredigt als ein Meister der Seelsorge, wenn er dieses Problem menschlicher Konflikte angeht. Sein praktischer Rat lautet: «Wenn du zu einem Gottesdienst gehen willst und merkst, dass dein Bruder etwas gegen dich hat, dann lasse dein frommes Bemühen und bringe die Sache mit ihm in Ordnung. Erst dann komme wieder!»

Das macht deutlich: Versöhnung mit dem Nächsten hat Vorrang! Es geht um ein sofortiges Handeln. Man sollte nicht warten, bis irgendwann einmal Gelegenheit dazu da ist. Solche meist unangenehmen Aussprachen mit einem vielleicht schwierigen Menschen schiebt man sowieso viel zu gern hinaus. «Wenn der etwas gegen mich hat, dann soll er gefälligst zu mir kommen!» Diese Ausrede ist zu einfach, und wir können lange warten. Es ist immer zuerst meine Sache, den ersten Schritt in Richtung Versöhnung zu tun. Dieser Rat gilt nicht nur im Privatbereich, sondern auch in Wirtschaft und Politik. Schaffen wir den sich anhäufenden Zündstoff sofort aus der Welt, dann vermeiden wir Explosionen und Krieg.

Haltet mit den Menschen Frieden!


Ein offenes Gespräch in Konfliktsituationen und zum richtigen Zeitpunkt wirkt erleichternd für beide Seiten. Was aber tun, wenn der andere «mauert » und rechthaberisch auf seinem Standpunkt beharrt oder mich sogar mit meinen Versöhnungsbemühungen vor anderen lächerlich macht?

Die Bibel kennt dieses Problem: «So viel an euch liegt, haltet mit allen Menschen Frieden!»3 So viel also an mir liegt! Gott möchte nicht, dass ich wegen eines unversöhnlichen Querkopfs mit mir selbst in Konflikt gerate und schließlich vor lauter Wut auf andere selber in Unfrieden leben muss.

Wer mit Gott und nach Möglichkeit mit anderen Menschen in Frieden lebt, der tut sich in dieser Richtung leichter. Doch leben wir in einer Welt voll Teufel, Tücken und Disharmonien. Diese können jeden in innere Dissonanzen oder gar in Depressionen stürzen: «Ich will nicht mehr! Ich kann nicht mehr!» So lauten dann die Seufzer oft.

Ich weiß, wie schwer es ist, einem solchermaßen festgefahrenen Menschen sein inneres sich Versperren und Verriegeln, seine seelische Verkrustung und Vereisung bewusst zu machen. Es ist nicht Gott und meistens sind es auch nicht die anderen, die sich uns so grausam verschließen. Es sind unsere eigenen Konflikte und Komplexe, unsere innere Gebundenheit an Dinge und Erlebnisse. Das können schmerzliche Verletzungen, seelische Wunden sein, an denen wir kranken und die wir unterschwellig Gott vorhalten: «Wie konntest du zulassen, dass ich dieses Unrecht erleiden musste?»

Aufgefangen werden


Während man früher mit diesen Problemen zu einem Seelsorger gehen konnte, um sich alle Lasten von der Seele zu reden und Lossprechung zu erfahren, so bleibt heute vielen nur der Gang zum Psychotherapeuten. So hilfreich die Psychologie auch ist, sie kann weder die Vergebung von Schuld noch das Lösen von Bindungen erreichen. Dazu bedarf es einer göttlichen Vollmacht, die sich der Seelsorger immer wieder erbeten muss.

Wir haben das große Heilsangebot Gottes, seine Zusagen und Verheißungen, etwa diese von Jesus: «Kommt alle her zu mir, die ihr euch abmüht und unter eurer Last leidet! Ich werde euch Frieden geben.»4 So kann sich ein Mensch in Gottes offene Arme fallen lassen, denn er wird aufgefangen.

Jemand, der mich liebt!


Wer das tut, wird die Erfahrung machen: Hier ist jemand, der mich auffängt und mich annimmt, der mich liebt, so wie ich bin. Darum kann und will ich mich auch selbst annehmen. Immerhin bin ich ein einzigartiges Geschöpf Gottes, das es in dieser Ausgabe nirgends mehr auf der Welt gibt.

Konflikte mit anderen, mit sich selbst und auch mit Gott werden uns Menschen ein Leben lang beschäftigen. Die Lösung sollte jedoch nicht mit eigenen Klimmzügen oder etwa nur mit Psychopharmaka gesucht werden. Hilfe ist von alters her bei dem großen Gott und auch bei den Menschen, die in einer lebendigen Beziehung zu ihm stehen. Sicher ist eine solche Art von Friedenstiften keine leichte Aufgabe. Aber sie macht froh, weil dahinter die Erfahrung steht, dass Gott es ist, der das Gelingen schenkt.

_______________

1 Matthäus 4,4 und Lukas 4,4 (Zürcher Übersetzung)

2 1. Johannes 4,20

3 Römer 12,18

4 Matthäus 11,28 11


Der Autor

Albrecht von Aufsess

Albrecht von Aufsess

D-Mengersdorf/Bayreuth

Forstwirtschaftliches Studium, Übernahme eines eigenen Forstbetriebs, Gründung eines Holzwerkes, Unternehmer, bis 1995 Mitarbeit und Vorsitz in einem internationalen Radiomissionswerk, zur Zeit Geschäftsführer in drei privaten Forstbetrieben

Download

200111_vonaufsess_a.pdf

235 K

SERVICE


ABOfacebook

ARCHIV



 > Zeitschrift 'reflexionen'

Leseproben

  • __Brennpunkt

    __Hintergrund

    __Monday Manna

    __IVCG-Podcast